Frauen und Pferde revisited

Schon seit Jahrzehnten frage ich mich, warum Mädchen so häufig Pferde toll finden. Die Auffassung sabbernder, angesoffener Männer, dann hätten sie mal was Kräftiges zwischen den Beinen, konnte ich nie teilen. Schließlich beginnt die Liebe zu Ponys und Pferden in der Regel lange bevor genitale Sexualität erwacht.

Also muss da etwas anderes sein. Etwas, dass bei Jungen nicht so oft auftritt. Denn auch ich war begeisterter Winnetou-Gucker. Wie die mit ihren Gäulen über Stock und Stein galoppierten, mit dem treuen Begleiter im Rücken am Lagerfeuer saßen, das war beeindruckend. Aber letztlich war es dann doch eigentlich nur ein geländegängiges Fortbewegungsmittel.

Auch in der Familie habe ich eine pferdevernarrte Frau und zwei Mädchen, die diese Tiere besonders lieben. Die Frau hat drei Hengste, einer hat sogar viele Preise gewonnen. Von dem hat sie vor der Kastration noch sieben Sameneinheiten eingelagert, um damit Stuten befruchten zu können, die dann wiederum Siegerpferde gebären sollen.

Beim Urlaub auf ihrem Hof beobachte ich seit Jahren das Verhältnis der Frau zu ihren Pferden. Ich habe nicht verstanden, warum sie nie mit einem von den Gäulen ausreitet, über Wiesen, Felder, durch Wälder, an Seen vorbei. Sie meint, dass würde ihr keinen so großen Spaß machen, außerdem könnten sich die Tiere verletzen.

Stattdessen reitet sie jeden Tag auf dem Reitplatz. Dressur. Sie meint, das wäre besonders reizvoll, teilweise fühle sie sich dabei, als würde sie eins werden mit dem Pferd.

Wer draußen steht so wie ich, der sieht nur eine Frau auf einem Pferd, die dieses in jeder Bewegung beherrschen und bestimmen will. Die darin ihr Glück und Befriedigung findet. Die den starken Bewegungsdrang und die motorische Triebkraft im Griff haben und beliebig steuern will.

Szenenwechsel:

Ich war 20, als mir zwei Freundinnen (18 und 19) erzählten, sie hätten sich in einem Sexclub beworben, um dort oder in einer nebenliegenden Peepshow zu arbeiten. Sie waren abgelehnt worden, haben sich jedoch nicht allzusehr darüber beschwert oder geärgert.

Ich allerdings war erstaunt. Das waren zwei aufgeklärte junge Frauen, die ganz allein für sich beschlossen hatten, dort als Objekt der sexuellen Begierde zahlender Männer zu arbeiten. Also fragte ich sie, warum sie das machen wollten und nicht was anderes „mit Menschen“. Bedienung in der Kneipe oder Friseurin. Ich dachte natürlich, im Sexclub gebe es richtig viel Geld, wie man das auch von Sexarbeiterinnen hört, die deswegen angeblich nicht so gerne aussteigen aus dem Geschäft.

Aber das war es nicht. Die jungen Frauen hatten das Bedürfnis, mittels ihrer Reize „Männer in der Hand zu haben“, so die Worte. Das gab ihnen den Kick. Nicht körperlicher Kontakt oder die Vorstellung, dort einen Prinzen und Helden zu treffen. Auch das Geld spielte keine Rolle.

Ihre Befriedigung entstand lediglich daraus, das Animalische im Mann beherrschen und darüber die starken Männer steuern zu können.

Das klappt. Wie auf dem Reitplatz. Und wie im Rest des Lebens.